21. Juli 2020

In den letzten Wochen und Monaten verging kein Tag, ohne dass auf dem Smartphone und in vielen Medien «Covid-19-Statistiken» erschienen. Alles schön und gut, oder eben bedauerlich und nicht gut. Was bei all den Daten, Infos, Fakes, Protestdemos usw. jedoch völlig verloren ging, war das richtige Maß.

Alle knapp 2000 Corona-Tote in der Schweiz sind zuviel. Den betroffenen Angehörigen gehört mein Mitleid. Aber: wieviel Prozent der Bevölkerung sind das? Aber auch die etwas über 420 Toten in der Schweiz aufgrund von Leberzirrhose (Alkohol) sind zuviel.

Wenn man in die Situation kommt, dass plötzlich der normale Tagesablauf abrupt gestört wird, dann hat man wieder Zeit, sich über das richtige Maß Gedanken zu machen.

Kurz: ich kam notfallmäßig unters Messer respektive unter die Skalpelle eines Da-Vinci-Computers – gesteuert von einem der besten Urologie-Operateure der Schweiz. Die Operation war kurz und erfolgreich. Die Tage danach im 13. Stock des Kantonsspitals Luzern – richtig erholsam.



Blick vom 13. Stock des Bettenhochhauses des Kantonsspitals Luzern – vorne der Rotsee, hinten die Hügel der Albiskette

Es war eine rundum perfekte Betreuung. Immer wieder kamen mehrere Ärzte, die jeder einen mobil zu steuernden Computer vor sich hatten. Jeder «töggelte» irgendwelche Daten ein. Richtig professionell sah das aus. Ein bisschen aber auch wie modernes Theater. Ich sollte ein Stück darüber schreiben... Insgesamt kam ich mir sehr wichtig vor.

Das Gleiche galt bei der Menü-Auswahl und beim Zimmerservice. Hotelmäßige Betreuung mit allem, was man mitnehmen darf. Vom Lutschbonbon bis zur Kleiderbürste, vom Einmalkopfhörer bis zum Haarshampoo – und natürlich Medikamente. Die Frotteetücher und das Kopfkissen hatte ich dort gelassen. Ebenso einen Sack mit meinen Kleidern zum Waschen. Darauf wurde ich gleich unterwegs höflich aufmerksam gemacht, was zu einer Ehrenrunde führte.




Vielleicht ein bisschen aufgeblasen, die neckischen «give aways»? Rechne: Zweier-Zimmer x Anzahl Gäste pro Jahr = ??


Doch wesentlich interessanter war der Kontakt zum Zimmernachbar. Nach wenigen Stunden hatten beide das Gefühl, sich schon lange zu kennen. Und wirklich stellte sich heraus, dass er einst bei einer Firma arbeitete, für die ich kurze Zeit ebenfalls zu tun hatte. Da er sein Büro auf der gleichen Etage direkt neben dem Werbeleiter hatte, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir schon aneinander vorgbeigelaufen sind. Heute, nach seiner Pensionierung, arbeitet er als geduldiger und aufmerksamer Fotograf und macht gut beobachtete, reduzierte Bilder (siehe unten).




Eine der faszinierenden Naturfotografien von Rico Camenzind https://www.ricofoto.ch/portfolio/natur/ 


Doch zurück zu den eingangs erwähnten meditativen Stunden des Nachdenkens und Nichtstuns. Da rekapituliert man noch einmal, warum man eigentlich hier in diesem Bett liegt, wie alles gekommen ist – und warum. Tja, und dann ist da die Erinnerung an den Teich vor dem Beyeler-Museum in Riehen. Daran, dass ich dauernd auf die Toilette musste – und doch nicht konnte. Daran, dass die Blase immer mehr zu schmerzen begann, bis der schnellste Weg zur Notfallstation ins Spital Dornach führte.

Der Versuch, während all der Tage auch in meiner Gedichtebauhütte à jour zu bleiben, ist nicht ganz geglückt. Da gibt es noch Nachholarbeit. Aber es soll ja nichts Aufgeblasenes werden.




Das eine mit dem anderen zu verbinden, ergibt manchmal interessante Gedichte – manchmal…  https://youtu.be/WvEVizgKEBU