20.04.2020

Langsam wird es mulmig. Als Angehöriger der Risikogruppe über 70 fühle ich mich auf jeder Wanderung beobachtet. Vor allem von Jugendlichen, die auch ich kritisch mustere ...

Anderseits, ganz unabhängig von allen Nachrichten, fühlten sich die letzten Wochen an wie die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr. Etwas ist vorbei – etwas wird und muss kommen. Dazwischen halb entspannte Atempausen – und längere Schlafzeiten.

Jetzt aber scheint es, dass einige Albträume wahr werden könnten. Die Welt nach der Pandemie wird nicht mehr die gleiche sein. Es hängt von uns ab, die Chancen für eine Wende zu erkennen. Bei mir waren es in den letzten Wochen eher Konfusionen. Das Einordnen, das Verstehen, das sich Zurechtfinden wollte nicht klappen.

All die Covid-19-Informationen und erst recht das Recherchieren über Viren allgemein brachten mehr Verwirrung als Klarheit. In einem Punkt aber wurde mein intuitives Gefühl bestätigt: Viren sind nicht per se schlecht (*).



Ohne Viren gäbe es kein Plankton und keine Artenvielfalt auf unserer Erde (© planet-wissen.de / picture-alliance / Okapia (*))

Die Corona-Konfusion hat mich auch dazu gedrängt, wieder mehr Zeit in meiner Gedichtebauhütte zu verbringen. Ein unausgegorenes Resultat sind verschiedene Sprüche, die in den letzten Corona-Wochen entstanden sind.

Und daraus wiederum habe ich diesen Clip gewerkelt. Das Geräusch entstand beim Geschirrabwaschen, bei dem ich mich ebenfalls fragte, wieviele Viren im Abwaschtrog aktiv sind…




Ein Clip als Spiegelbild meiner eigenen Corona-Konfusion

Beim «Steineklopfen» in meiner Gedichtebauhütte entstand auch das nachfolgende Gedicht. Inspiriert wurde es durch ein Wasserrädchen in einem kleinen Bach. Entdeckt habe ich es bei einem meiner Spaziergänge (mit einer krampfhaften Zwei-Meter-Abstand-Konditionierung).




Es soll fliessen. Ohne, dass wir alles festhalten und aus unserer engen Sichtweise heraus optimieren und maximieren wollen

Und dann natürlich, neben Spaziergängen und Wanderungen, brachten die Corona-Wochen auch viel Zeit zum Lesen. Endlich nahm ich mein gegenwärtig dickstes und schwerstes Buch zur Hand: «Kosmos» von Alexander von Humboldt. Am Ende des Kapitels «Geschichte der physischen Weltanschauung» heisst es:

«Das Erschaffen neuer Organe (Werkzeuge der Beobachtung) vermehrt die geistige, oft auch die physische Macht des Menschen. Schneller als das Licht trägt in die weiteste Ferne Gedanken und Willen der geschlossene electrische Strom. Kräfte, deren stilles Treiben in der elementarischen Natur, wie in den zarten Zellen organischer Gewebe, jetzt noch unseren Sinnen entgeht, werden, erkannt, benutzt, zu höherer Thätigkeit erweckt, einst in die unabsehbare Reihe der Mittel treten, welche der Beherrschung einzelner Naturgebiete und der lebendigeren Erkenntniß des Weltganzen näher führen.»

Möge die Erkenntnis des Weltganzen durch die Erfahrung der Pandemie wieder neue Impulse bekommen…



Dorfbach in der hinteren Ermitage bei Arlesheim © H.W.R.

Man kann nicht nur «wichtige» Literatur verarbeiten. Manchmal braucht es eine bodenständigere Kost. Mit einem wieder aus dem Regal gezogenen Roman von John Vermeulen komme ich da auf meine Kosten. «Die Elster auf dem Galgen» ist eine Biografie über Pieter Bruegel den Älteren. Gerade bin ich am Schluss des 24. Kapitels. – «Dann fragte er leise das langsam vorbeiströmende Wasser: "Was habe ich dieser Welt nur getan?" – Das Wasser flüsterte und gurgelte eine Antwort, aber es war eine, die kein Mensch verstehen konnte.»

(*) Von der Website planet wissen
https://www.planet-wissen.de/natur/mikroorganismen/viren/pwievirendiehelfen100.html