10. Dezember 2020

Niemand zweifelt: das Jahr 2020 war das wohl verwirrendste in diesem noch jungen Jahrtausend. Für mich war es mit Unterbrüchen, Umbrüchen und Rückbesinnungen durchwoben. Beim häufigeren Händewaschen und den etwas seltsamen Besuchen auf öffentlichen WC's während dieser Covid-Zeit kam mir beispielsweise eine länger zurückliegende Ausstellung von Bruce Naumann im Schaulager Basel in den Sinn.

Das Künstliche und Sterile hatte mich damals zu einem «Zitate-Gedicht» angeregt (https://steineklopfen.ch/blog/verquere-kunst-assoziationen).

Jetzt, grade hatte ich einen Auftrag abgeschlossen, bei dem es um das Gedenken eines Ehepaares ging, hatte ich wieder Zeit für einen Museumsbesuch. Das kleine Doppelbüchlein, gebunden mit einem gemeinsamem Rücken, war rechtzeitig fertig geworden. Ich malte mir aus, wie die beiden darin gewürdigten verstorbenen Ehepartner durch das ominöse Covid-19-Jahr gekommen wären.

Im Kunstmuseum Luzern stieß ich auf ein Waschbecken, das analog zum Bruce-Naumann-Erlebnis in Basel als Kunstinstallation gelten könnte.

Ein Waschbecken im Kunstmuseum Luzern 2020

Waschbecken Kunstmuseum Luzern. Porzellankeramik, Kunststoff, Desinfektionsflasche (unverkäuflich) Foto HWR


Zwillingsbuch/Doppelbuch für eine Familiengedenkfeier

Zwillingsbüchlein mit gemeinsamem Rücken. Der eine Buchteil ist der Ehefrau, der andere dem Ehemann gewidmet. Foto HWR

Im 2020 wurde auch ein größeres Buchprojekt fertig: Ein über 400 Seiten starkes Jubiläumsbuch für ein Architekturbüro. Mit unterschiedlichsten Objekten der Sanierung, der Renovation, von Umbauten und Neubauten aus zehn Jahren. Darunter Wohn- und Geschäftshäuser und auch Schulen.

Während ich in Luzern im Kunstmuseum durch die Ausstellung von Michal Budny und Vittorio Santoro gehe, kommt mir an einem Drahtzaun meine eigene Schulzeit mit etlichen eingezäunten Pausenhöfen in den Sinn. Wie lange das schon her ist – und wie lange das Covid-Virus wohl noch lebensbestimmend sein wird?

Installation von Michal Budny im Kunstmuseum Luzern 2020

Installation von Michal Budny im Kunstmuseum Luzern 2020. Foto HWR

Jubiläumsbuch Caretta + Gitz

Gewichtiges Jubiläumsbuch mit Referenzobjekten für ein Architekturbüro 2020. Foto HWR

Daneben beschäftigte mich mein «Holzkohle»-Buch – leider viel weniger als ich es gerne gehabt hätte. Ende 2019 kam es in den Handel. Etliche Vorträge waren vorgesehen. Einen einzigen Vortrag konnte ich halten ( https://www.edizio.com/homepage/131-2020_09_08.html ). Bei allen anderen hieß es: «wegen Corona verschoben». Da hoffe ich, dass es im 2021 wieder etwas anders aussieht.

In der Ausstellung in Luzern traf ich auch auf eine Installation mit vier verkohlten Holzbalken, die schön sorgfältig an eine weiße Wand angelehnt waren. Das wäre ein Objekt gewesen, das ich bestimmt im Buch erwähnt bzw. gezeigt hätte (neben Richard Long und Lee Bae).


Installation Michal Budny Kunstmuseum Luzern

Eine weitere Installation von Michal Budny: Vier kantige angekohlte Holzbalken. Kunstmuseum Luzern 2020. Foto HWR


Buch Holzkohle, Vom schwarzen Gold zur Glut im Grill

Das Buch «Holzkohle – Vom schwarzen Gold zur Glut im Grill» aus dem Haupt-Verlag ist nach wie vor aktuell. Foto HWR

Was hatte das 2020 an positiven Veränderungen gebracht? Für mich waren es Erfahrungen im Wald oder Begegnungen mit Versteinerungen auf Jura-Höhen – also mit größeren Lebenskreisläufen. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass mit der weltweiten Pandemie auch das Bewusstsein für eine weltumspannende Verantwortung zunimmt.

Wir leben derzeit auf einem Planeten, der von uns Menschen bis an die Grenzen genutzt bzw. übernutzt wird. Eine Erde, die unser aller Erde ist. Mit Problemen, die nur wir alle gemeinsam wirklich lösen können. Für ein gesundes und inspirierendes Leben – hoffentlich noch viele Generationen lang.

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